| Hessenschach 10/17 |
| Dienstag, den 17. August 2010 um 06:30 Uhr | |||
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Chess Classic Mainz 2010Vor 8 Jahren hatte ich schon ein etwas klammes Gefühl in der Magengegend, etwa so wie heute auch erfahrene Nachrichtensprecher plötzlich Lampenfieber bekommen, wenn die erste Bundes- Pressekonferenz droht.
500 Spieler war damals weit mehr als ich bisher in Turnieren so verwaltete, und schnell gehen, erst recht präzise, muss es auch noch sein. Ein wenige paar Jahre später war mit über 750 Teilnehmern ein Allzeit- Hoch gesetzt, das (leider) auch noch in diesem Jahr gilt.
700 Spieler sind jetzt aber zur Standardaufgabe geworden, und das schöne an Routine ist, man kann auch mal einfach nur dasitzen und zuschauen, was als nächstes passiert.
Sehr diszipliniert ging die Anmeldung in Rheinufernähe über die Bühne, gerade mal 3 Teilnehmer kamen etwas später als gedacht, zusätzliche zwei waren zwar brav vor dem Turnierbeginn bekommen, jedoch der Meinung das ohne sie die erste Runde schon nicht anfangen wird.
Der pünktliche Turnierbeginn bei den "Classic" hat sich aber ebenfalls standardisiert!
Über zwei Tage, fünf und sechs Runden lang, kämpften nun Spieler aus 34 Nationen um die Krone des Schnellschachs. Über 120 Spieler, die nicht der deutschen Schachföderation angehören, ließen den gerne genutzten Nickname "inoffizielle Weltmeisterschaft" passend erscheinen.
Aus dem Iran war eine siebenköpfige Gruppe angereist, die sich nicht nur in der Tabelle nach vorne spielte, sondern auch beim rasenden Schachreporter Hartmut Metz Interesse hervorrief; und damit auch in der nationalen Tagespresse.
Die Schweiz und Frankreich schickten zwar nicht ihre stärkste Elf, aber immerhin die meisten Spieler einer Nation, noch vor Russland(9), Österreich, Slowenien und Luxemburg (je 8).
"Das Ende des amerikanischen Traums" verkündete am Montag nach dem Turnier die Financial Times Deutschland, was aber nicht als Schlagzeile der Veranstaltung gemünzt war. Im Gegenteil:
Mit Gata Kamsky, Großmeister aus den Vereinigten Staaten, dem man im letzten Jahr noch seinen relativen Misserfolg anmerkte, ließ sich ein strahlender Sieger artig das Turnierjacket nebst Krawatte überstreifen. Letztere durchaus symbolträchtig, denn Obertiger Hans-Walter Schmitt kettet insbesondere seine Titelverteidiger gerne an, auf das die im kommenden Jahr den Titel verteidigen sollen.
Der im letzten Jahr noch auf der Bühne frisch eingekleidete armenische GM Levon Aronian musste in diesem Jahr dem Open- Speed eines Gata Kamsky Tribut zollen und wurde Dritter. Zwischen beide konnte sich mit der besten Zweitwertung der Verfolgergruppe noch der Azeri GM Vugar Gashimov platzieren. 9,5 Punkte reichten viele Jahre für einen Co- Turniersieg, doch schon Mamedyarow setzte im letzten Jahr mit 10 Punkten einen neuen Akzent, den Kamsky heuer gerne kopierte.
Die deutsche Spitze, bestehend aus den Großmeistern Najditsch, Gustafsson und Fridman, konnte sich im internationalen Vergleich sehr gut behaupten: Platz 9, 11 und 28 hätten durchaus für die Olympiade einiges erhoffen lassen.
Hessen stellt seit Jahren ein beachtliches Kontingent an Teilnehmern, in diesem Jahr etwa jeder Fünfte am Brett oder knapp 150 in absoluter Nennung. Rheinland-Pfalz ist auf Platz 3 dieser Statistik abgerutscht, noch hinter NRW (117, angeführt von Verbandspräsident Dr.Hans-Jürgen Weyer) und knapp vor Baden (90).
Bester Hesse wurde auf Platz 40 der Internationale Meister Dr.Erik Zude, der das größte hessische Vereinskontingent anführte (SV Hofheim mit 9, ebenso Bad Nauheim), und in der Endauflistung zahlreiche bekannte Großmeister hinter sich ließ. Das er auch Jan Gustavsson auf der Rolle hatte, zeigt ein Blick in seine Scorecard und das Nachspielen dieser Partie. Hessisches Silber und auch Bronze ging an die FMs Enrico Marchio und Hagen Poetsch, beide von den Schönecker Schachfreunden, letzterer noch mit einem sehr guten Platz 6 in der U20- Wertung.
Der Bezirk Frankfurt, Home of the Chess Tigers, stellte mit einem knappen Drittel der hessischen Teilnehmer das größte Kontingent dieser Region. IM Anatoly Donchenko sicherte sich als bester des Bezirks auch die Seniorenwertung im GRENKE Open, noch vor den GMs Cebalo und Hort. Der Nachwuchs, Alexander Donchenko, wurde seiner Favoritenrolle gerecht und holte den Toppreis in der Altersklasse U14.
Die am Rheinufer und in bester Stadtlage gelegene Rheingoldhalle mit Gastgeber Oberbürgermeister Jens Beutel bot zum zehnten Mal eine excellente Turnierarena.
Wenn es dieses Turnier nicht gäbe, müsste es erfunden werden. Drohte es alleine des schnöden Mammons wegen zu sterben, müsste es gerettet werden. Ach ja......
Die ganze Breitseite an Turnierinformationen, inklusive preisverdächigen Fotoserien, gibt es unter auf der Turnierseite zum Event, die während der tollen Tage zeitweise an die Grenzen der klickbaren Leistungsfähigkeit ankam.
FM Georg Haubt gewinnt Bad BevensenMit einer stattlichen Punktausbeute von 7,5 aus 9 holte sich der Oberurseler FM Georg Haubt am 14.Juli schon den Sieg bei der Offenen Niedersächsischen Senioren- Einzelmeisterschaft im Kurhaus zu Bad Bevensen.
211 weitere Teilnehmer, darunter der Erfurter Dr.Bernd Baum als Co- Sieger, und der langjährige Weggefährte bei den Mannschaftskämpfen in Oberursel und Hofheim, Dr.Reinhard Zunker, konnten den Siegeszug des Architekten nicht stoppen. Herzlichen Glückwunsch nach Bommersheim!
--> http://www.nds-schachsenioren.de
125 Jahre SV Wiesbaden1885: Deutschland engagiert sich in Übersee und versucht verlorenen Boden bei der Kolonialisierung gut zu machen. Ein Pfaffe gründet die erste deutsche Bausparkasse und in den USA wird die Achterbahn patentiert. Genau die richtige Zeit also, um einen Schachklub zu gründen, und für die kommende Zeit Höhen und Tiefen zu durchlaufen.
So richtig Hoch her gings sicher in den Jahren, als die Schloßpark- Open durchgeführt wurden; und abwärts sicher dann, als die klammen Stadtsäckel der Landeshauptstadt ausgerechnet am eigentlich recht gut gefüllten Geldbeutel des WSV Schatzmeisters gesunden sollten.
1995 wurde der SV Wiesbaden dann erstmals Hessischer Mannschaftsmeister, da war man schon 110, und der erneute Titelgewinn im letzten Jahr mit einer kernigen Truppe ist der richtige Einstieg ins bemerkenswerte Jubiläumsjahr.
Am kommenden Sonntag kann man ein wenig mitfeiern, denn der Klub lädt zu einem Jubiläums- Schnellschach- Open ein. Nicht im Jeanne-Schütz-Haus, sondern im Bürgerhaus Wiesbaden-Biebrich werden 9 Runden mit 15 Minuten Partien um einen stattlichen Preisfonds ausgetragen.
--> http://www.wiesbadener-schachverein.de/sites/default/files/Schnellschach-Open.pdf
Wie bring ich's mir nur bei?Wer sich mal zur Vorbereitung auf den nächsten Mannschaftskampf, die neue Saison beginnt in wenigen Wochen, über den hohen Preis und die schlechte Leistungsfähigkeit von so mancher Schachdatenbank gewundert hat, dem sei der Griff an die eigene Nase empfohlen und eventuell ein Kurs bei Großmeister Fabian Döttling. Der stellt "Engines und Datenbanken im Training" vor und selbst wer schon alle Eröffnungen und taktischen Finessen kennt, lernt hier noch die große Kunst, Programme wie Chessbase effizienter für die eigenen Zwecke zu benutzen.
--> http://www.chess-tigers.de
Gruß
Euer
Hans D. Post
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